Chronik

Dank unseres engagierten „vereinseigenen“ Historikers, Horst Hilterhaus, können Sie die  Vereinsgeschichte nachlesen.

„Das erste Jahrhundert“ – aus der wechselhaften Geschichte des Turnvereins

(auszugsweise entnommen aus der Festschrift von 1951 zum 60jährigen Jubiläum des TV Moselweiß)

Als am 24. Juni 1891 eine kleine Schar junger Moselweißer (Sachitzki, junior; Bruchhausen, Wilhelm; Bourmer, Johann; Breitbach, Josef; Gröbel, Peter; Perscheid, Andreas; Quirbach, Josef; Rasch, Peter; Rittel, Andreas; Scherhag, Josef; Schmelzer, Karl; Schmitzer, Josef; Ternes, August; Thielmann, Georg; Waldorf, Peter; Wimmer, Anton) begeistert von der Idee und dem Geiste Vater Jahns, den Grundstein zum heutigen Turn-Verein Koblenz-Moselweiß legten, waren sie sich zwar bewusst, dass es nicht leicht sein würde, diesem Werk Bestand zu geben. Sie wussten aber nicht, welche schweren Zeiten dieser Verein durchmachen musste.

Der turnerische Geist, gepaart mit Sparsamkeit, führte schnell zu der Anschaffung von Geräten. Aushilfsweise hatte man in dem damaligen Schommers-Garten an zwei Rüsterbäumen eine Reckstange befestigt, bis der Schmied Georg Thielmann ein zusammenlegbares Reck anfertigte, dem bald auch ein Barren folgte. Durch Spenden der Mitglieder war man bald in der Lage sich eine Vereinsfahne anzuschaffen. Unter Beteiligung der in der Koblenzer Umgebung schon bestehenden Turnvereine fand das erste öffentliche Schauturnen im Schommers-Garten statt.

Wie vielerorts ist man den Bestrebungen und Idealen der damaligen Deutschen Turnerschaft mit Misstrauen begegnet. Mit den sonderbarsten urgroßväterlichsten Begriffen über den nicht gerade beliebten Vater Jahn und das Wesen der Turnvereine im allgemeinen wurde ein reiner Vernichtungskampf entfacht. Ungeachtet aller in den Weg gestellten Schwierigkeiten, zeitweise standen ihnen keine Räumlichkeiten zu Übungszwecken zur Verfügung, haben aber  die Moselweißer Turner wacker ihre Fahne hochgehalten. Die glänzend verlaufenen Gauturnfeste des Untermoselgaues in den Jahren 1898 und 1814 in Moselweiß sowie der von der Stadtgemeinde Koblenz als Turnplatz zur Verfügung gestellte frühere Schulgarten, wie auch das neue Vereinslokal „Zum weisen Lamm“ mit Bühne und Saal brachten entscheidende Wendungen. Der turnerische Gedanke hatte seine Lebensfähigkeit bewiesen. Stetig entwickelte sich der Verein seit dieser Zeit fachlich und kulturell vorwärts. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges (1914-1918) brachte das gesamte Vereinsleben zum Stillstand.

Der unglückliche Ausgang des Ersten Weltkrieges stellt die zurückgekehrten Turner vor schwer zu lösende Aufgaben. Doch, Turnergeist verzaget nicht. In verhältnismäßig kurzer Zeit konnte der Verein wieder auch achtbare Erfolge, so z. B. die Graf-Adelmann-Riege, zurückblicken. Das Fehlen geeigneter Übungsstätten war jedoch ein Mangel, der sich auf allen Gebieten des Vereinslebens störend bemerkbar machte. Der Wunsch nach einem Eigenheim wurde wieder besonders laut. Die Inflation ließ es nicht zur Tat kommen. Weitsichtige Arbeit der Amtsvorgänger, tatkräftige und finanzielle Unterstützung der Mitglieder ermöglichten es, in ungünstiger Zeit im Jahre 1929 den Bau der Turnhalle in Angriff zu nehmen. Am 25. Mai 1930 wurde in Verbindung mit einem offenen Gerätewettturnen des IX. Mittelrheinkreises die Turnhallenweihe vollzogen. Ein Ziel auf dornenreichem Wege war erreicht. Einen nie geahnten Aufstieg erlebte der Verein in allen Abteilungen, besonders im Jugendturnen, wobei die zweimalige Erringung der Gaumannschaftsmeisterschaft im Jugendturnen des früheren Gaues Köln-Aachen/Moselland, sowie die Erringung des 5. Platzes bei den Reichsjugendmannschaftsmeisterschaften und das hervorragende Abschneiden der damaligen Jugendturnen , Gebrüder Sebastian und Otto Quirbach, besonders zu erwähnen ist.  Diesem kometenhaften Aufstieg setzt der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) ein Ende. Unter Aufbietung der größten Opfer konnte wenigstens der Turnbetrieb der Jugend anfangs einigermaßen aufrechterhalten werden, der jedoch mit der Dauer und zunehmenden Schärfe des Krieges allmählich doch ganz zum  Erliegen kam.

Der verheerende Ausgang des Zweiten Weltkrieges, dem auch das am 29. Juni 1936 eingeweihte neue Vereinsbanner zum Opfer fiel, stellte die zurückkehrenden Turner vor unlösbare Aufgaben. Nicht nur eine schwer zerstörte Turnhalle war wieder aufzubauen, sondern auch ein Vereinszusammenhalt musste geschaffen werden, der durch das langjährige Verbot des Geräteturnens auf schier unüberwindliche Hindernisse stieß. Doch auch hier in der größten Bedrängnis wussten einige beherzte Turner unter Rückstellung aller persönlichen  und familiären Pflichten und unter Auferlegung größter Opfer durch Rat und Tat wieder Hoffnung für ein Vorwärts und Aufwärts zu geben. Aus eigenen Mitteln und eigener Hände Arbeit, ohne jegliche fremde Zuschüsse und Totomittel wurde die Turnhalle notdürftig wieder instandgesetzt. Mit zäher Beharrlichkeit und tatkräftigen Idealismus wurde aus dem Nichts Neues aufgebaut, ja hier und da näherte sich das Schaffen fachlich und zahlenmäßig schon wieder dem Gewesenen. Der Turn-Verein Moselweiß kann das Recht für sich in Anspruch nehmen, der erste im Landesturnverband „Mittelrhein“ gewesen zu sein, der das Geräteturnen trotz Verbots wieder aufgenommen hatte. Allen in den Weg gelegten Hindernissen zum Trotz wurde das Geräteturnen weiter gepflegt und sah nach Aufhebung des Turnverbots im März 1947 die Moselweißer Turner mit einer stattlichen Riege als erster auf dem Plan erfolgreich und fruchtbringend für das deutsche Geräteturnen zu werben. Erinnert sei an das Auftreten der Deutschlandriege 14 Tage nach der Aufhebung des Turnverbots in unserer überfüllten Turnhalle, welches ursprünglich im Koblenzer Stadttheater vorgesehen war, aber durch widrige Umstände und höhere Gewalt abgesagt werden musste.
Der weitere Verlauf der Aufbaujahre erbrachte neben der erfolgreich geleisteten Pionierarbeit außerhalb des Vereins, innerhalb desselben eine stetige Aufwärtsentwicklung aller Abteilungen. Besonders die Turnabteilung, an der Spitze mit ihrem Meisterturner Sebastian Quirbach, hat es verstanden, durch ihr überragendes Können und ihr erfolgreiches Abschneiden bei Wettkämpfen sich einen Namen zu verschaffen. Sie war die einzige Turnabteilung von der gesamten französischen Zone, die bei dem Frankfurter Turnfest 1948 mit einer geschlossenen Riege an den Vereinssondervorführungen aktiv teilnahm.

Der TV 1891 Moselweiß – Heute
Der Turnverein Moselweiß ist ein Sportverein mit zur Zeit 550 Mitgliedern. Das sportliche Angebot umfasst den Breitensport, mit den Angeboten Fitness, Gymnastik (u. a. Wirbelsäulengymnastik) und Badminton und die  leistungssportorientierten Bereiche Handball, Tischtennis und Kunstturnen.

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